BUDDHA auf JERSEY

Das belebende Gefühl, auf einer Insel zu sein, mitten im Meer. Verloren zu sein, Staub in der Gischt über den steilen Küstenfelsen von Jersey. Und sich doch auf den Klippenpfaden geborgen fühlen - stolz wie ein Albatros. Leichten Fußes das Eiland umrunden, den Wind als treuen Gefährten. Er kühlt die brennenden Wunden, die die Überreste deutscher Bunker alle zwei bis drei Kilometer in die Seele reißen. Kalte Betonburgen, aus deren Verließen der Tod aufs Meer glotzt, jeden Fremden bedroht, der sich der Küste nähert. Dieser Tod, der selber als Fremder über Jersey und die noch kleinere Nachbarinsel Guernsey hergefallen ist und sie geschändet hat. Der dann von seiner hasserfüllten Streitmacht Kriegsgefangene über die Inseln peitschen ließ und diese zum Bau der Betonbunker zwang. Wie viele Leben dabei unter den Stiefeln der Nazischergen erstickten, weiß niemand genau. Schon gar nicht die Insulaner, die versuchten –so gut es ging -, sich von den Besatzern fern zu halten, ihr normales Leben weiter zu führen. Dies war äußerst schwierig. Immer das Überleben im Nacken wurden ganze Schulklassen wegen der drohenden Landung der Nazis nach England verschifft. Es tobten keine Kinder mehr durch das heidekrautartige Gestrüpp , das große Teile des Inselinneren bedeckt. Stattdessen zertraten diese bornierten Stiefelknechte Gräser und Pflanzen – fünf endlose Jahre lang. Entsetzliche Scham, dass das Landsleute waren, nur eine Generation vor uns geboren.

Wir biegen vom Küstenweg ab und nähern uns einem einsamen Hofgut. In einer Nische der Scheunenwand entdecken wir eine kleine zierliche Figur , aus hellem Stein gemeißelt– ein meditierender Buddha. Ein Fremder, der Frieden ausstrahlt.

Meine Frau schmückt ihn mit einer Margeritenblüte. Hand in Hand gehen wir weiter.

(Rebscher 2009)